Übergänge – immer noch die Momente der Wahrheit
(Hinweise auf Kapitel (>Kap.) beziehen sich auf das Buch „Richtig Reiten – eine Herausforderung“)
Nur wer über die einzelnen Grundgangarten gut Bescheid weiß und als Reiter dafür ein sicheres Gefühl hat, kann Übergänge richtig reiten und/oder sie beurteilen. Deshalb lohnt es sich gegebenenfalls in dem entsprechenden Kapitel nochmals nachzulesen. So muss man einfach verstanden haben, dass z.B. es einem Pferd auf Grund der ganz unterschiedlichen Bewegungsabläufe von Trab und Galopp nur in der einen passenden Phase möglich ist, den Übergang fließend, willig und geschmeidig zu gehen.
Wer Störungen des Taktes am besten schon im Ansatz erkennt, kann angemessen und schnell entsprechend reagieren. Das richtig ausgebildete Pferd ist auch in Wendungen und bei Übergängen in der Lage, sich taktsicher zu bewegen. Deshalb apostrophiere ich die Übergänge gerne als die Momente der Wahrheit, sie sind ein ganz entscheidendes Kriterium für die Durchlässigkeit eines Pferdes.
Zum Reiten der Übergänge
Jedes Pferd ist anders
Die genaue Dosierung und das Timing aller Hilfen müssen generell individuell auf das jeweilige Pferd und auf die konkrete Situation abgestimmt werden; das ist das Schwierige, aber eben auch die Herausforderung guten Reitens.
So macht es schon beim täglichen Reiten zu Hause, noch mehr natürlich in fremder Umgebung einen ganz entscheidenden Unterschied, ob man auf einem Pferd sitzt, welches dazu neigt, bei Übergängen etwas eng zu werden oder zu tief zu kommen oder aber dabei Spannung zu zeigen, gegen die Hand zu gehen bzw. sich etwas herauszuheben. Zu welcher dieser Reaktionen das Pferd eher tendiert, hängt von seinem Gebäude, seinem Temperament und von der Qualität seiner Ausbildung ab und variiert häufig auch innerhalb einer Trainingseinheit.
So kann man gar nicht selten beobachten, daß ein Pferd, das in den ersten zwanzig Minuten sich in jedem Übergang etwas heraushebt, später, wenn es losgelassen geht und im Genick nachgiebig ist, zum Zu-tief-Kommen neigt. Dieser Unterschied innerhalb einer Reitstunde ist eine reine Frage des technisch richtigen Reitens und wird sich innerhalb kurzer Zeit ausgleichen lassen, wenn der Reiter sich selbst besser losläßt, seinen Instinkt kontrolliert und mit der Position der Hand entsprechend umzugehen gelernt hat (> Kap. 4 Die gute Hand).
Die Mehrzahl unserer modernen Warmblutpferde haben wunderbar, natürlich aufgewölbte Hälse, sind sehr leicht im Genick und sensibel im Maul. Deshalb fällt es vielen Reitern schwer, sie so zu reiten, daß sie vertrauensvoll, sicher an die Hand herantreten, ja „ziehen“. In jedem Fall muß der Reiter mit „freundlichem“ Sitz, tief geführten Händen und hoch elastischen Armen reiten; er muß dem Pferd das Gefühl vermitteln, es dürfe seine Hände etwas mitnehmen. (Deshalb lohnt es sich, immer wieder an der eigenen Losgelassenheit zu arbeiten und sich vermehrt zu bewegen statt „stille zu sitzen“.)
Alle Übergänge sind bei diesen Pferden besondere Kriterien, in denen sich erweist, ob die Abstimmung der Hilfen, wie erwünscht, absolut vorwärts orientiert ist, ob alle Paraden, auch in den Übergängen in die niedrigere Gangart oder in das versammelte Tempo von hinten nach vorne und nicht primär mit der Hand geritten werden (s.u.). Jede Parade, bei der es gelingt, das Pferd im Hals nicht kurz und eng zu machen, gar zusammenzuziehen, ermöglicht es dem Pferd mit der Hinterhand heranzuschließen, nur so kann man es reell aufnehmen, es besser versammeln. Beim Engmachen stellt sich das Pferd oben hin, sodaß sich im Rücken zu Spannung und Unbehagen kommt.
Genau anders ist es bei den Pferden, die in den Übergängen dazu neigen, sich etwas herauszuheben. Zunächst muß bei ihnen vermehrt auf Losgelassenheit geachtet werden. Das Herausheben ist oft nur Ergebnis eines unguten Gefühls im Rücken. Deshalb wäre es auch absolut kontraproduktiv, sich „schwerer“ hinzusetzen und das „Kreuz mehr anzuspannen“. Man muß daran arbeiten, ihnen über den „freundlichen“ Sitz ein gutes Gefühl im Rücken zu geben, sie vermehrt mit hergegebenem Rücken zu reiten und ihre Dehnungsbereitschaft zu verbessern, so daß man beim Aufnehmen wirklich eine Chance hat, an ihr Hinterbein heranzukommen. (Solange ein Pferd nicht in der Lage oder bereit ist, sich in der Oberlinie zu öffnen und mit losgelassenem Rücken zu gehen, ist es nahezu unmöglich, beim Aufnehmen das Pferd besser zu schließen und seine Hinterhand vermehrt zu engagieren.) Auch hier spielt die Position der Hand eine nicht zu unterschätzende Rolle: Anstatt dem Instinkt zu folgen und zu versuchen, mit tiefer oder gar drückender Hand das Pferd „unten zu halten“ oder gar herunterzudrücken, muß der Reiter sie besser, evtl. auch etwas höher tragen. Dies ist eigentlich immer nur ganz kurzfristig, für die „Sekunde“ des Übergangs notwendig. Entscheidend dabei ist auch, daß diese etwas höhere Hand auf keinen Fall fest ist oder gar rückwärts wirkt; der Reiter muß die Vorstellung haben, zur Hand hinzureiten und das Pferd über den Schenkel auffordern sich vom Gebiß abzustoßen und im Genick nachzugeben. Diese evtl. etwas höher getragene Hand gibt dem Reiter die Möglichkeit mit weniger Kraftaufwand einzuwirken, und somit weniger Gefahr zu laufen, fest zu werden und sich zu verkrampfen. (> Kap. 4 Die gute Hand…)
Die immer richtig positionierte, getragene Hand (Ellbogen – Hand – Pferdemaul auf gerader Linie) muß in der Regel immer wieder angemahnt werden!
Erst aus dem gut gewinkelten Arm heraus kann die Verbindung elastisch gestaltet werden!

Vorbereitung der Übergänge
Wie bei ganz vielen Gelegenheiten beim Reiten oder gar Ausbilden eines Pferdes steht und fällt der Erfolg mit der angemessenen und auf das jeweilige Pferd abgestimmten Vorbereitung!
Dazu ein kleines Beispiel:
Zum Antraben, vor allem beim jeweils ersten innerhalb einer Trainingseinheit, aktiviere ich den Schritt etwas von hinten in die leicht aushaltenden Hände, sodaß das Pferd geradezu schon bittet „antraben zu dürfen“!
Es geht dabei eigentlich bei allen Übergängen darum, daß das Pferd dann schon „weiß“, was gleich kommt. Wenn es erlebt hat, daß der Reiter in jedem Übergang gut in die Bewegung sitzt und ihm diese Bewegungsänderung leicht macht, ist das der beste Weg zu gutem Reiten mit immer feineren Hilfen – bald braucht der Reiter dann nur noch zu denken und das Gewünschte geschieht. Das Pferd ist dank der Vorbereitung und vieler positiver Erfahrungen schon in „freudiger Erwartung“! Es geht bei der Hilfengebung nicht in erster Linie darum, die neue Gangart etwa durch einen Schenkelimpuls abzufragen – das gilt mehr für die Vorbereitung – das leichte Abspannen, das dem erwartungsvollen Pferd das Antraben erlaubt, ist gewissermaßen die vollziehende Hilfe!
Durchaus anspruchsvoll ist es in diesem Zusammenhang, darauf zu achten und sich mit dem Pferd entsprechend zu verständigen, daß es bei aller Bereitschaft den feinsten Hilfen zu folgen nicht antizipiert, sondern auf das letztendlich finale Ausführungssignal wartet.
Zu den Übergängen im Einzelnen
Anreiten aus dem Halten
Zur Vorbereitung gibt der Reiter die berühmte alles vorbereitende halbe Parade, indem er ganz kurz seine allgemeine Körperspannung erhöht („Alle Muskeln einmal kurz anspannen!“). Zur Vorbereitung gehört auch, das Pferd gegebenenfalls durch einen Impuls mit dem inneren Schenkel zu ermahnen, aufmerksam zu sein und im Genick nachgiebig zu bleiben. Nur bei nachgiebigem Genick kann man sicher sein, daß das Pferd aktiv von hinten antritt. Den ersten Schritt fragt der Reiter, der sich dabei losgelassen im Sattel etwas bewegt, dann mit den treibenden Gewichts- (kurzfristiges Anspannen der Bauch- und Gesäßmuskulatur) und Schenkelhilfen (Anspannen der Muskeln, die das Knie beugen bei angespannter Wadenmuskulatur) bei leicht aushaltender Hand ab. Besonders die Schenkelhilfe sollte impulsartig aus dem anliegenden Schenkel gegeben werden sie darf nicht solange wirken, bis sich das Pferd in Bewegung setzt; gegebenenfalls muß sie wiederholt werden. Die elastische Verbindung bleibt durchgängig erhalten. Bleibt das Pferd im Moment des Anschreitens nachgiebig im Genick, wird die Hand sofort leicht (Hand und Arm spannen etwas ab, behalten aber den Kontakt zum Maul) und gibt ihm dadurch eine kleine positive Bestätigung.
Um dem Reiter verständlicher zu machen, wie er dabei genau die Zügelhilfen einsetzen muss, sage ich oft „Stelle Dir vor, das Pferd durch die Hände (bei leicht angespannten, aber nicht unbeweglichen Armen, Schultern, Rumpf etc.) hindurch zu treiben und werde erst leicht, wenn das Pferd im Genick nachgibt, reite durch Deine Hände hindurch und spanne zum Leichtwerden die Muskeln, besonders die der Arme und Hände etwas ab, - die Zügel dürfen dabei keinesfalls durchhängen.“
Wenn das Pferd schon gelernt hatte, nach dem Aufsitzen gelassen zu stehen, kann man dieses Anreiten schon kommunikativ vorbereiten, indem man es schon im Halten auffordert, einmal im Genick nachzugeben und den Zügel herauszukauen.
Vor und bei allen Übergängen sollte der Reiter in sein Pferd hineinlauschen, um zu antizipieren, wie es im Übergang reagieren wird, besonders auch bezüglich der Anlehnung. So sollte er für den kurzen Augenblick des Überganges die Hände geringfügig senken, wenn er weiß oder es zumindest für möglich hält, daß das Pferd dabei zu tief kommt und/oder hinter den Zügel abkippt. Umgekehrt muß er die Hände losgelassen etwas steigen lassen, wenn zu erwarten ist, daß es im Übergang etwas gegen die Hand geht oder sich gar herauszuheben versucht. (Wenn die Hände etwas steigen, also höher genommen werden, müssen sie eher leichter werden; deshalb müssen sie auf einem Kreisbogen bewegt werden, dessen Mittelpunkt sich am Pferdemaul befindet.)
In beiden Fällen gilt es den Instinkt zu bekämpfen, durch den der Reiter nämlich zu einer genau gegenteiligen Verhaltensweise verleitet werden würde. (> Kap. 4 Die gute Hand – das Kapital des (älteren) Reiters) und >Kap. 6 Reiten mit Verstand und Instinkt!?)
„Hoher Zügel zäumt – tiefer Zügel bäumt!“

Wenn ich im Folgenden immer wieder anmahne, z.B. beim ersten Trabtritt, „freundlich zu sitzen“, gehört dazu immer auch die Ermahnung, entspannt ein- und vor allem auch auszuatmen!
Die Vorstellung, besonders bei allen Übergängen in die höhere Gangart hinein durch die Verbindung, durch die Hände hindurchzureiten, beugt der falschen Vorstellung vor, man müsse zum Beginnen der neuen Gangart „die Bremse lösen“, die Hand also vorschieben und mit den treibenden Hilfen „hinterherreiten“.
Das Ziel muß sein, daß das Pferd gewissermaßen die neue Gangart von hinten beginnt, was wiederum nur gelingen kann, wenn das Pferd dabei nachgiebig im Genick bleibt!
Reiten im Schritt (> Kap. 18 richtig Schritt zu reiten ist sehr anspruchsvoll!)
Der Reiter hält den Schritt gleichmäßig, fleißig und raumgreifend, indem er losgelassen den Bewegungen des Pferdes folgt, sich durchaus auch im Sattel bewegt (nicht „stille“ sitzen!). Mit den Schenkeln erhält er eine weiche Fühlung am Pferdeleib. Er begleitet das Pferd mit seinen Hilfen. Nur wenn das Pferd wenig Aktivität zeigt oder diese nachläßt, muß kurzfristig aktiv getrieben werden, muß ein Schenkelimpuls erfolgen. Um mehr Aktivität abzufragen, kann es sinnvoll sein, das Pferd von hinten an die Hand heran etwas mehr zu fordern und zu schließen, um das Pferd gewissermaßen etwas zu provozieren, vermehrt zu „ziehen“, um dann aber sofort abzuspannen und wieder leichter zu werden, wenn das Pferd entsprechend reagiert.
Nur vermehrt „vorwärts“ zureiten, jeden Schritt aktiver abzufragen und womöglich die Hand noch mehr vorzuschieben, ist kontraproduktiv, weil das Pferd dann nicht mehr geschlossen ist und die Bewegung nicht mehr durch den ganzen Körper des Pferdes geht!
Die leichte aus der Schulter heraus vorwärts-abwärts gerichtete Nickbewegung von Hals und Kopf des losgelassenen Pferdes wird von der Reiterhand aus den losgelassenen Schulter- und Ellbogengelenken heraus begleitet bzw. zugelassen. Ellbogen-Hand-Pferdemaul bilden stets eine Gerade.

Die „gute Hand“ kann die Verbindung zum Maul so elastisch und konstant gestalten, daß sich die Länge einer imaginären in den Zügel eingebauten Federwaage nicht verändert!
Um schon im Schritt dafür zu sorgen, daß das Pferd „sich auf den Reiter einläßt“, sich konzentriert, muß man den Schritt wirklich reiten, sich kleine Aufgaben wie z.B. Schultervor Viereck verkleinern oder vergrößern für das Pferd ausdenken, es nicht nur gehen lassen; nichts ist beim Schrittreiten schlimmer als es zu langweilen.
(> Kap. 18 Schritt,die ungeliebte Gangart)
Antraben aus dem Schritt
Zum Antraben aus dem Schritt wird das Pferd mit richtigen halben Paraden (> Kap. 8 Paraden – nicht nur Zügelhilfen!) vorbereitet und vermehrt geschlossen, d.h. zwischen den vortreibenden und den verhaltenden Hilfen verstärkt eingerahmt, gegebenenfalls müssen die Zügel vorher etwas nachgefaßt werden. Diesen kurzen Vorgang könnte man auch mit dem leichten Spannen einer überdimensionalen Feder vergleichen.
Um dem Pferd im Antraben, besonders im Rücken ein gutes Gefühl zu vermitteln, sitzt der Reiter zwar nach wie vor tief im Sattel, aber freundlich, d.h. er achtet sorgfältig darauf, in der Hüfte beweglich und elastisch zu sein. Je aktiver das Pferd antrabt, desto wichtiger ist dieses freundliche Sitzen; um auf keinen Fall hinter die Bewegung zu kommen, kann man für einen kurzen Moment sogar ansatzweise entlastend sitzen. Sind Pferd und Reiter gut aufeinander eingespielt, kann das Antraben dann sogar durch diese Sitzhilfe abgefragt werden.

Freundlich sitzen, hier im Galopp
Was die Anlehnung (Position der Hand) anbelangt, gilt analog dasselbe wie beim Anreiten aus dem Halten in den Schritt.
Gerade auch im Hinblick auf (beginnende) versammelnde Arbeit empfehle ich meinen Schülern, die Idee zu haben, das Pferd solle mit den Hinterbeinen beginnen. Auch dafür ist ein losgelassenes, nachgiebiges Genick Voraussetzung.
Diese Vorstellung kann ebenso für das Antraben aus dem Halten hilfreich sein.
Antraben aus dem Halten
Zum Antraben aus dem Halten gibt der Reiter die gleichen Hilfen wie zum Anreiten im Schritt, nur etwas entschlossener und betonter.
Das präzise Gelingen vom Fleck weg hängt davon ab, ob das Pferd, wie oben im Kap. Paraden beschrieben, im Halten vorwärts orientiert ist und aufmerksam und leistungsbereit auf die Anweisungen des Reiters lauscht (freudvolle Erwartung!). Freundlich zu sitzen, um gut in der Bewegung mitzukommen, ist hierbei sogar eine unabdingbare Voraussetzung, damit das Pferd im ersten Trabtritt eine positive Bestätigung bekommt und auch beim nächsten Mal wieder willig und prompt diese Hilfe annimmt. Damit der erste Tritt schon spannungsfrei erfolgen kann, muß der Schenkelimpuls, wie oben beschrieben, wie ein kurzes Signal gegeben werden. Keinesfalls darf der Reiter solange „drücken und pressen, bis sich die Massen in Bewegung setzen“, - so sage ich das gerne meinen Schülern, um sie daran zu erinnern, daß auch hier alles im Kopf anfängt. Wenn man nämlich durch solch eine Hilfengebung dem Pferd vermittelt, daß man gar nicht an eine prompte Reaktion glaubt, wird es dieser Erwartung zu entsprechen versuchen und sehr zögerlich den Trab beginnen. (Sich selbst erfüllende Prophezeiung – > Kap. 1 Alles fängt im Kopf an)
An dieser Stelle paßt es sehr gut, wenn ich doch auch einmal auf die sog. Stimmhilfe, auf das Schnalzen eingehe. In Prüfungen auf Turnieren sind hörbare Stimmhilfen verboten. Für mich liegt hier die Betonung auf hörbar, weil ich eine leichte Unterstützung der Kommunikation durch die Stimme als etwas ganz Natürliches und Positives ansehe.
Gerade nach einem gelassenen und vielleicht sogar etwas ausführlicheren Halten empfehle ich geradezu, die eigentliche Hilfe durch ein zartes Schnalzen anzukündigen, wie wenn vor dem grünen Licht an der Ampel das gelbe aufleuchtet. Bei sehr eifrigen und leistungsbereiten Pferden trägt dies dazu bei, daß sie wirklich gelassen stehen und nicht während des Haltens ständig auf die Aufforderung lauern wieder anzutraben oder auch anzugaloppieren.
Da Pferde ein hervorragendes Gehör haben, reicht tatsächlich schon die Andeutung eines Schnalzens, das niemand außenstehendes vernehmen kann; wenn dann noch, wie auf größeren Turnieren heute üblich Musik läuft, bleibt so etwas, genauso auch ein gelegentliches „Ho,Ho“, ganz privat zwischen Reiter und Pferd. Bei der Arbeit zu Hause, besonders auch beim Ausbilden junger Pferde sind Stimmhilfen für mich etwas Unverzichtbares.
Antraben aus dem Rückwärtsrichten
Das Antraben aus dem Rückwärtsrichten funktioniert im Prinzip genauso wie das aus dem Halten; auch hier wieder unter der Voraussetzung, daß das Pferd dabei vorwärtsorientiert ist und der Reiter es bei nachgiebigem Genick vor sich hat.
Reiten im Trab
m Trab muss der Reiter aus der Mittelpositur heraus mit den Bewegungen des Pferdes mitschwingen. Die Bauch- und untere Rückenmuskulatur wird dabei zwanglos und unverkrampft an- und abgespannt.

Durch dosierte Hilfengebung wird die Beibehaltung des taktmäßigen und schwungvollen Trabens im gewünschten Tempo erzielt. Der Reiter sollte immer die Vorstellung haben, jeden Trabtritt zu kontrollieren und das Tempo durch ganz leicht an- und abspannende Muskeln (bes. Bauch-, Gesäß- und Kniebeugermuskeln (Das ist die hintere Oberschenkelmuskulatur)) aktiv zu bestimmen. Im Leichttraben setzt das ein ganz besonders gutes Gleichgewicht des Reiters voraus! (> Kap. 2.9 Aussitzen oder Leichttraben) Jegliches Hintenübersitzen ist kontraproduktiv, vor allen Dingen, weil der Reiter dadurch in der Mittelpositur fest wird und dem Pferd im Rücken ein ungutes Gefühl vermittelt; der Bewegungsablauf des Pferdes kann wegen des spannig werdenden Rücken nicht mehr so gut durch seinen ganzen Körper gehen!
Angaloppieren aus dem Schritt und aus dem Trab (sind prinzipiell gleich)
Wie beim Antraben wird das Pferd mit (richtigen) halben Paraden vorbereitet und vermehrt geschlossen, d.h. zwischen den vortreibenden und den verhaltenden Hilfen verstärkt eingerahmt. Diesen kurzen Vorgang könnte man gerade auch vor dem Angaloppieren mit dem leichten Spannen einer Feder vergleichen.
Bedeutung des Angaloppierens vornehmlich am inneren Schenkel
Leider wird jungen Reitern oft der Eindruck vermittelt, zum Angaloppieren sei es hauptsächlich oder gar nur wichtig, den äußeren Schenkel umzulegen. Dies mag zunächst auch genügen, um das „brave“ ältere Pferd „in den Galopp zu bugsieren“. Für die weitere, etwas gehobene Ausbildung ist diese Vorstellung aber sogar kontraproduktiv, weil dadurch meist dieser Schenkel zu weit umgelegt und zu stark eingesetzt wird.
Das Pferd wird so zum schiefen Galoppieren geradezu aufgefordert; besonders bei der Arbeit im Kontergalopp und an fliegenden Wechseln ist es wichtig, mit dem inneren Schenkel jeden Galoppsprung zu fordern.
Deshalb erkläre ich im Folgenden die Schenkelhilfe besonders genau!
Für die richtige Hilfengebung im Galopp liegt der innere Schenkel am Gurt, der äußere wird aus der Hüfte heraus dabei gut lang gemacht und kommt dadurch automatisch maximal etwa eine Handbreit weiter zurück.
Durch diese Lage der Schenkel, besonders durch das Langmachen und geringfügige Umlegen des äußeren wird die äußere Gesäßhälfte etwas entlastet, dafür kommt etwas mehr Gewicht auf die Innere (dadurch ergibt sich die einseitigbelastende Gewichtshilfe). Ein Herüberlehnen oder -beugen mit dem Oberkörper ist nicht nur überflüssig, sondern sogar störend, weil dadurch die Balance des Pferdes gestört würde.
Um für den Moment des Übergangs die den Galopp abfragenden Hilfe richtig zu timen, wird deshalb der innere Schenkel vorher sogar ein paar Zentimeter zurückgenommen und rutscht dann langsam, gewissermaßen am Haar entlang, wieder ganz nach vorne in die jetzt richtige Lage am Gurt. Diese Art der Hilfe mit dem inneren Schenkel hat den Vorteil, daß das Pferd nicht von einer zu punktuellen Hilfe überfallen wird, sondern genügend Zeit hat, „seine vier Füße zu sortieren“.
Der innere Zügel weist etwas seitwärts, um dem Pferd die notwendige Stellung zu geben, muß aber sofort wieder leicht werden, um das Vorspringen des inneren Hinterbeines zuzulassen. Dabei muß mit dem äußeren verwahrenden Zügel dafür gesorgt werden, daß das Gebiß in Position bleibt und nicht nach innen gezogen wird; um dennoch die für das Stellen notwendige geringfügige Biegung des Halses zuzulassen, entfernt sich die äußere Hand des Reiters soweit vom Hals, daß der Zügel nach wie vor ganz gerade zum äußeren Gebißring verläuft, d.h. er läßt die Stellung zu, begrenzt sie aber auch.


Nur wenn bei diesem Stellung-geben die diagonale Hilfengebung „innerer Schenkel – äußerer Zügel“ funktioniert, so daß der Reiter am inneren Zügel wieder leicht werden kann, wird es dem Pferd leichtgemacht, mit dem neuen inneren Hinterbein nach vorne anzuspringen. Der äußere Zügel kann dank der etwas weiter außen positionierten Hand das Gebiß in Position halten und trotzdem die Stellung zulassen (>rechtes Photo).
Um dem Pferd im Angaloppieren, im ersten Galoppsprung besonders im Rücken ein gutes Gefühl zu vermitteln, sitzt der Reiter freundlich, d.h. er achtet sorgfältig darauf, in der Hüfte beweglich und elastisch zu sein. Je besser das Pferd bergauf in den Galopp hineinspringt, desto wichtiger ist dieses freundliche, für einen kurzen Moment sogar ansatzweise entlastende Sitzen.

Diese etwas modifizierte Schenkelhilfe beim Angaloppieren ist besonders auch für sehr sensible, leistungsbereite Pferde empfehlenswert, z.B. auch bei dem häufig etwas diffizilen Angaloppieren aus der Passage!
Bei jüngeren Pferden, gelingt das Angaloppieren oft noch nicht so präzise, besonders wenn auch der Reiter noch nicht so versiert ist. Meist liegt das zunächst einmal daran, daß bei der Hilfengebung noch die notwenige Entschlossenheit fehlt, besonders häufig mangelt es an der genügend sicheren Anlehnung, weil der Reiter zu schnell und übertrieben leicht werden will, um den Galoppsprung zuzulassen. Deshalb sage ich dann meinen Schülern gerne, sie müßten das noch junge Pferd im Übergang unterstützen, indem sie mit der Hand besser den Kontakt halten. Während des Galoppierens dann empfehle ich ihnen dann, sich vorzustellen, mit hochelastischen, gut getragenen „Gummiarmen“ das Pferd zu begleiten, die Verbindung so zu gestalten, daß diese nicht bei jedem Galoppsprung zwischen strammer und lose wechselt.
Besonders bei jüngeren Pferden macht es in der Regel noch einen deutlichen Unterschied, auf welcher Hand angaloppiert werden soll. Dazu mehr (> Kap. 19 Galopparbeit)
Angaloppieren aus dem Halten und Rückwärtsrichten
Für das Angaloppieren aus dem Halten und dem Rückwärtsrichten gilt im Prinzip alles analog. Besonders hilfreich ist es dabei, wenn Pferd und Reiter an dieses Vorstreichen mit dem inneren Schenkel am Haar entlang gewöhnt und vertraut sind. Ein freundliches in die Bewegung sitzen und eine sichere unterstützende Verbindung ist dabei besonders wichtig!
Ansonsten darf ich bezüglich der Galopparbeit auf das entsprechende eigene Kapitel dazu hinweisen. (> Kap. 19 Galopparbeit)
Die Übergänge im Zusammenhang mit Verstärkungen im Trab und Galopp sind im Kap. 21 Verstärkungen, die Übergänge zur Versammlung im Kap. 17 Versammlung genau besprochen.
Übergänge in die nächst niedrigere Gangart und bei der Rückführung innerhalb einer Gangart
Zunächst einmal ist für die Hilfengebung bei diesen Übergängen die Vorstellung, die der Reiter davon im Kopf hat von entscheidender Bedeutung!
Er muß die Idee haben, dem Pferd die neue Gangart, also z.B. den Trab, vorzugeben, nicht aber die vorhergehende Gangart, den Galopp beenden zu wollen.
Deshalb sage ich beim Reitunterricht dem Reiter, er solle jetzt den Übergang vorbereiten und in die neue Gangart hineinreiten; ich vermeide die Ausdrucksweise „pariere jetzt durch zum Trab!“
Alle Übergänge von der höheren in die niedrigere Gangart oder beim Aufnehmen innerhalb einer Gangart, müssen mit präzisen, fein abgestimmten halben Paraden vorbereitet werden. Der genaue Moment des Übergangs bedarf dann eigentlich nur noch des entschlossenen Gedankens, der sich in einem kurzfristigen An- und Abspannen des gesamten Körpers des Reiters dokumentiert; das Abspannen kann der Reiter sehr gut durch ein tiefes Ausatmen unterstützen. Die selbstbewußte Entschlossenheit des Reiters im Kopf (sh. Kap.1 Alles fängt im Kopf an) ermöglicht ein letztendlich gefühlsmäßig gesteuertes präzises Timing (Hilfen genau in der richtigen zehntel Sekunde) und sorgt so für eine schnelle Reaktion des Pferdes. Nur wenn der Reiter darauf vertraut, daß sein Pferd seine „Signale“ versteht und widerspruchslos akzeptiert, wird er ohne Verzögerung wieder leicht werden und alle für die Parade angespannten Muskelgruppen (Bauch, Beine, Arme etc.) wieder abspannen. Er darf auf keinen Fall erst nachgeben, wenn der „Gang gewechselt ist“; dann würde er das Pferd geradezu verleiten, an der Hand eine Stütze zu suchen, auf den Zügel zu lümmeln und so auf die Vorhand zu kommen.
Was die Parade anbelangt, ist das Aufnehmen, das Schließen des Pferdes gewissermaßen der vorbereitende Teil, das Abspannen der vollziehende Teil. In der Hinführung eines Pferdes zu solch fein abgestimmten Paraden sollte man sich vorstellen, daß etwa zwei bis drei halbe Paraden das Pferd vorbereiten, sodaß die letzte Parade, die den Übergang tatsächlich abfragt, nur noch gedacht werden muß und vor allem durch das Abspannen bestimmt ist, welches die neue Gangart zuläßt.
Etwas anders muß der Übergang geritten werden, wenn das Pferd dazu tendiert zu antizipieren, z.B. schon in den Trab „fällt“, wenn der Reiter nur daran denkt, aber nicht mehr auf die tatsächliche Anweisung wartet:Auch dann wird das Pferd unmittelbar vor dem gewünschten Übergang, z.B. im Galopp, von hinten nach vorne etwas „geschlossen“, der Reiter treibt, gewissermaßen durch die aushaltenden Hände hindurch in Trab hinein, gibt aber erst nach, wenn der erste Trabtritt erfolgt. Vom Trab zum Schritt wird analog genauso geritten.
Gar nicht so selten galoppiert ein Pferd ungewollt an, wenn man es auffordert, frischer und aktiver zu traben, es flüchtet manchmal gewissermaßen in den Galopp. Hier gilt es dann, mit den treibenden Hilfen den Trab vermehrt zu fordern und erst wieder abzuspannen, wenn das Pferd in den Trab hineingefunden hat.
Ganz ähnlich muß man korrigieren, wenn das Pferd bei der Schrittarbeit anstatt aktiver und raumgreifender zu schreiten anzackelt, sich in den Trab entzieht: Über die treibenden Hilfen gilt es den entsprechenden Schritt abzufragen, nicht aber gleich durchzuparieren und somit „rückwärts zu reiten“!
Resümee
Alle Übergänge haben in der entsprechenden Phase der Ausbildung und der jeweiligen Arbeitseinheit einen nicht zu unterschätzenden Ausbildungswert. Sie erfordern ein hohes Maß an reiterlichem Gefühl bei der Abstimmung der Hilfen und beim Pferd ein besonders hohes Maß an Losgelassenheit und Durchlässigkeit.
Für alle Beteiligten, für den Reiter, den Ausbilder sowie den Richter sind Übergänge überaus aussagekräftig, teilweise sogar entlarvend, weshalb ich sie immer als die Momente der Wahrheit apostrophiere. Das gilt unter anderem auch beim Testen auf die Qualität des „Gerittenseins“ eines neuen, unbekannten Pferdes.
P.S.: Noch ein Wort zur „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“:
Was jeder von Ihnen schon beim Reiten erlebt hat, ist die große Sensibilität des Pferdes. Es fühlt sehr genau, was gerade im Kopf des Reiters vorgeht.
Man muß deshalb immer versuchen, positiv gesinnt an alle Aufgaben heranzugehen, man darf dem Pferd auf keinen Fall über die Körpersprache signalisieren, daß man diese oder jene Schwierigkeit in Form von Spannung oder gar Widerstand erwartet. Das Pferd würde uns nicht enttäuschen, es würde sich genau so verhalten wie es vom Reiter erwartet oder besser gesagt befürchtet wird; in der Fachsprache nennt man das „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“.
Hierzu nur ein typisches Bespiel im Zusammenhang mit den Übergängen:
Das Angaloppieren, egal ob aus dem Trab oder Schritt, wird kaum gut und präzise gelingen, wenn der Reiter selbst nicht daran „glaubt“. Seine Hilfengebung wird mit Sicherheit von Zögerlichkeit geprägt sein, sodaß z.B. das Timing der Hilfen nicht ganz präzise ist und dementsprechend ein unbefriedigendes Ergebnis zeitigt.
Also: Nur wenn ich dem Pferd aber auch mir selbst gegenüber positiv eingestellt sein, wenn ich wie mein heute sagt ein gutes Mind Set habe, kann ich etwas erreichen und erfolgreich sein! Man könnte einfach auch sagen „Der Glaube versetzt Berge“!
Grundsätze zur Erteilung von Reitunterricht
Die Grundlagen der klassischen Dressurausbildung als Gesundheitsmanagement für jedes Reitpferd
Equitana 2019: Aus der Wissenschaft für die Praxis 2
Unter diesem Namen fand die Tagung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd e.V. (GWP) auf der Equitana am 11. März 2019 statt. Alle Vorträge dieser Veranstaltung können Sie unter diesem Link einsehen.

Pferdegerechtes Reiten beginnt beim Reiter, seinem Sitz und seiner Hilfengebung
Pferdegerechtes und -freundliches Reiten
Wenn es um pferdegerechtes und -freundliches Reiten geht, ist es nicht damit getan, die Nasen-Stirn-Linie vor an oder vor die Senkrechte zu lassen.

Ein Pferd in Selbsthaltung (links) – der Rumpfquerschnitt beim Rückengänger. Die Muskulatur trägt des Rumpf. Dieser kann in der Biegung zwischen den Schulterblättern entsprechend rotieren. Der Schenkel- oder Spannrückengänger (rechts). Der Rumpf ist zwischen den Schulterblättern abgesenkt, diese sind eng an den Rumpf angedrückt. Eine Rotation und damit Rumpfbiegung ist nicht möglich.

Vielmehr kommt es darauf an, daß das Pferd seine Oberlinie öffnet, die Halswirbelsäule aus der Schulter heraus in eine gleichmäßig konvex aufgewölbte Form bringt, um den Reiter richtig, d.h. mit Muskelkraft tragen zu können.
Dieses, wie man herkömmlich sagt, „Fallenlassen des Halses und des Kopfes aus der Schulter heraus“ wird häufig nicht ganz richtig verstanden:
Erst wenn sich das Pferd dabei an die Hand herandehnt und vertrauensvoll an das Gebiß herantritt, der Reiter dabei in der Verbindung einen gewissen Zug nach vorne spürt, kann er davon ausgehen, daß das Pferd mit aktiven Hinterbeinen nach vorne durchschwingt und somit eine gewisse gesunde Anspannung (heute bezeichnet man das als positive Spannung) im gesamten Körper des Pferdes entsteht. Diese sorgt auch dafür, daß der Rumpf bzw. Brustkorb in Selbsthaltung zwischen den Vordergliedmaßen getragen wird und nicht wie bei obenhin gestellten (absolut aufgerichteten) Pferden (Schenkelgängern) zwischen diesen absinkt und hängt. Ohne diese Selbsthaltung ist auch die für eine reelle Biegung notwendige Rumpfrotation nicht möglich (siehe Heuschmann „Stellung und Biegung“).
Richtig wertvoll wird diese Dehnungshaltung, mit der eigentlich jede Trainingseinheit beginnen sollte, erst durch die Dynamik des An- und Abspannens des Pferdekörpers, die durch das Reiten mit „Wechselrahmen“, wie ich es nenne, zustande kommt. Dazu wird, besonders während der Lösungphase, das Pferd immer wieder von hinten nach vorne etwas geschlossen und wieder vorgelassen, also mit wechselndem Rahmen geritten. Wieviel Schließen dabei möglich ist, hängt vom Gebäude, der Veranlagung und dem Ausbildungsstand des jeweiligen Pferdes ab. Der Reiter muß das mit Gefühl, Geschick und Unterstützung eines kompetenten Ausbilders bzw. Groundmans angemessen dosieren und timen.
Ist die tiefgeführte Hand immer die beste?
Aus dem Magazin der DRV (Deutsche Richtervereinigung e.V.), Heft 4, 2008
Umgang mit der natürlichen Schiefe des Pferdes
3. Webinar bei EquiPro
Über diesen Link „Umgang mit der natürlichen Schiefe des Pferdes” können Sie auf das PDF mit allen Informationen zu diesem Webinar zugreifen.
Offener Brief
In Dressurstudien Heft 1/2008 unter der Rubrik „Im Gespräch: Die Tierärztliche Sicht: Unterschiede zwischen den Reitweisen” äußert sich Herr Dr. Heuschmann zum „losen” Rücken beim Barockreiten wie folgt: „Diese Rückenposition (i.e. der „lose” Rücken) ist für Pferde absolut unschädlich.”
In dem hier verlinkten offenen Brief beziehe ich gemeinsam mit Prof. Dr. Ellen Kienzle Stellung zu diesem Thema.

In diesem Zusammenhang verweise ich auch auf das Kapitel 11 „Losgelassenheit – Voraussetzung und Kriterium jeglicher Ausbildung” aus meinem Buch „Richtig Reiten – eine Herausforderung”.
Reiterliche Fachsprache
In jüngster Zeit wird mehr denn je über die Verantwortung gesprochen, die jeder Ausbilder, aber in besonders hohem Maße auch jeder Richter bezüglich richtigen Reitens und korrekter Pferdeausbildung hat. Um wirklich ernst genommen zu werden und glaubwürdig zu sein, ist es wichtig, sich der Fachsprache zu bedienen, die sich bei uns in Deutschland über Generationen entwickelt, vereinheitlicht und sehr bewährt hat. Zusätzlich sollte man als Richter auch bedenken, daß es nicht nur auf die korrekte Anwendung feststehender Begriffe ankommt; vielmehr muß auch darüber reflektiert werden, wie die Aussagen, Hinweise oder Korrekturvorschläge beim Adressaten, sei er Reiter oder Ausbilder, ankommen und verstanden werden.
Im Folgenden dazu einige Beispiele:
Dehnung
Zur Überprüfung der Losgelassenheit wird Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen geritten. Dabei ist die Dehnungsbereitschaft und -fähigkeit des Pferdes das entscheidende Kriterium.
Im Zusammenhang mit Verstärkungen ist nur im Schritt tatsächlich Dehnung (Vorwärts-Abwärtsbewegung des Kopfes und des Halses aus der Schulter heraus) in Verbindung mit der entsprechenden Nickbewegung erforderlich, die aus Schulter- und Ellbogengelenk zugelasssen werden muß. In einer Trab- oder Galoppverstärkung, die unbedingt aus der Versammlung entwickelt wird, wünschen wir Rahmenerweiterung; das Pferd soll sich dabei im Halsbereich ein wenig öffnen und mit der Stirn-Nasen-Linie etwas deutlicher an oder vor die Senkrechte kommen (je nach Form des Halses). Es soll aber nicht tiefer kommen, vielmehr soll das Genick der höchste Punkt bleiben.
Beim Tritte und Sprünge verlängern mit jüngeren Pferden und während der lösenden Arbeit kann Versammlung höchstens ansatzweise vorausgesetzt werden. Deshalb kann hierbei die Rahmenerweiterung mit etwas Dehnung verbunden sein.
Grundschwung
Der Ausdruck Grundschwung ist eigentlich in sich widersprüchlich und wenig üblich, weil nach unserer Reitlehre Schwung etwas ist, was durch korrektes Reiten (Losgelassenheit des Rückens, vertrauensvolles Herantreten an die Hand und daraus resultierendem Durchschwingen der energisch abfußenden Hinterbeine) entwickelt werden muß.
Richtiger wäre es hier von Schwungbegabung bzw. -veranlagung zu sprechen. So kann übrigens auch ein überdurchschnittlich schwungbegabtes Pferd kaum Schwung entwickeln und zeigen, wenn es sich auf Grund schlechten Abreitens oder insgesamt fehlerhafter Ausbildung nicht losläßt. (Ursache dafür ist häufig mangelndes Vertrauen zu den reiterlichen Einwirkungen, besonders auch eine feste oder rückwärtswirkende Hand, die eine Hergabe des Pferderückens verhindert)
Selbsthaltung
Unter Selbsthaltung versteht man, daß das Pferd auf Grund korrekter Ausbildung gelernt hat, sich optimal auszubalancieren und sich selbst und das Reitergewicht dank der heranschließenden Hinterhand zu tragen. Dadurch ist es in der Lage, feine Reiterhilfen anzunehmen und ihnen zu folgen; besonders die Zügelhilfen können immer dezenter eingesetzt werden.
Die klassische Übung zur Überprüfung der Selbsthaltung ist das Überstreichen.
Leider besteht vielfach die Vorstellung, daß Selbsthaltung nur beim versammelten und korrekt (relativ) aufgerichteten Pferd ein Kriterium ist.
Auch beim Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen, überhaupt wenn ein Pferd in Dehnungshaltung geht, ist diese nur wertvoll, wenn es auch dabei in Selbsthaltung geht, selbstverständlich willig und vertrauensvoll an die Hand herantritt, aber ohne sich auf die Hand zu stützen. Der Reiter sollte durch Treiben das Pferd nur soweit zur Dehnung bringen, daß er das Pferd immer noch vor sich fühlt. Einem übertriebenen Dehnen muß mit der an die ruhig aushaltende Hand herantreibenden Schenkelhilfe vorgebeugt werden. Keinesfalls darf die Hand rückwärtswirken.
Mehr Aufrichtung!
In unteren Klassen (besonders in Klasse A) ist der Hinweis „mehr Aufrichtung!“ sowieso wenig angebracht, weil ja Versammlung nur ansatzweise gefragt ist. In höheren Klassen muß man sich zumindest aber fragen, ob die Forderung nach mehr Aufrichtung vom Reiter richtig verstanden wird, daß er eine Verbesserung diesbezüglich nur durch ein verstärktes Heranschließen (Mit- und Untertreten) der Hinterhand einschließlich Hankenbeugung erreichen kann, keinesfalls aber durch vermehrte oder gar rückwärtswirkende Einwirkungen mit den Zügeln.
In manchen Fällen wäre es sicherlich angebracht, ganz deutlich zu formulieren und zu sagen, daß das Pferd auf der Vorhand geht und dringend besser an die treibenden Hilfen gebracht werden, also von hinten nach vorne aktiviert werden muß.
In höheren Klassen sollte auch betont werden, daß nur durch richtigeres Versammeln die relative Aufrichtung verbessert werden kann.
Verwerfen
Wenn ein Pferd mangels Losgelassenheit, besonders in der Ganasche, und Geradegerichtetseins und/oder wegen zu starker einseitiger Einwirkung mit der Hand den Kopf schief hält (ein Ohr höher bzw. tiefer hält), sollte man den Fachausdruck „Verwerfen“ benutzen, nicht aber von „Verkannten“ sprechen.
Energisches Treiben
Durch diesen Ausdruck bekommt der Reiter leicht den Eindruck, er müsse sehr kraftvoll mit seinen treibenden Hilfen einwirken, dem Pferd gewissermaßen Beine machen. Dies mag momentweise auch einmal angebracht sein; normalerweise wird ein Pferd, welches sich unter dem Reiter wohlfühlt, willig vorwärtsgehen und Spaß daran haben, sich mit dem Reiter zu bewegen.
Wenn ein Pferd nicht genügend voran geht, wenig Aktivität aus der Hinterhand zeigt, ist es das Wichtigste, darüber nachzudenken, wodurch das Pferd sich eventuell gehindert fühlt, bereitwillig vorwärts zu gehen. Alles, auch noch so energisches Treiben wird nämlich nichts nützen, wenn der Reiter z.B. durch einen unelastischen Sitz und eine womöglich blockierende oder gar rückwärtswirkende Hand das Pferd in seiner Gehfreude beeinträchtigt. Hinzu kommt noch, daß viele Reiter mangels Losgelassenheit und Koordinationsfähigkeit (wenig Gefühl für das Zusammenwirken der Hilfen) im gleichen Moment, in dem sie sehr aktive, „energische“ Schenkelhilfen geben, hinter die Bewegung kommen (Rücklage) und mit festen Händen das Pferd im Maul irritieren anstatt mit elastischer Mittelpositur leicht in Bewegungsrichtung zu sitzen.
An den treibenden Hilfen haben
Der gute Reiter hat das richtig gerittene Pferd vor sich bzw. an den treibenden Hilfen. Die Ausdrucksweise das Pferd „vor dentreibenden Hilfen” zu haben dagegen ist nicht ganz richtig; sie könnte vielleicht dann angebracht sein, wenn das Pferd vor den treibenden Hilfen wegläuft, also „auf der Flucht ist“.
Am Schenkel haben
Die Unterscheidung zwischen Schenkel und Bein bezieht sich zunächst darauf, daß die Schenkelhilfen in erster Linie die Unterschenkel betreffen; wenn es dagegen um das gesamte Bein – von der Hüfte bis zum Absatz – geht, z.B. bei einer Sitzkorrektur, dann ist es richtig, vom „Bein“ zu sprechen.
Wenn man nun dazu auffordert, nicht ständig vom Bein zu sprechen („der Reiter soll ´mal mit dem Bein kommen“), wenn Schenkelhilfen gemeint sind, ist dies die richtige über Jahrzehnte überlieferte Ausdrucksweise, aber auch eine Frage der Sprachkultur.
Sich schwer hinsetzen
Wenn Reiter aufgefordert werden, sich schwer(er) hinzusetzen, neigen sie in der Regel dazu, vermehrt hintenüber, mit angespanntem Kreuz (ständig angespannter Bauch- und unterer Rückenmuskulatur) und nach hinten gekipptem (fachmännisch: aufgerichtetem) Becken zu sitzen. Dadurch wird meist die Mittelpositur fest und unelastisch, sodaß ein Mitschwingen am losgelassenen Pferderücken fast unmöglich ist.
Besser wäre die Empfehlung, losgelassener, tiefer im Sattel zu sitzen und mehr Platz zu nehmen, die Gesäßmuskeln und die Klemmer (Muskeln, die für den Knieschluß verantwortlich sind) müssen losgelassen werden.
Dieses Reiten mit angespanntem Kreuz kann, wenn überhaupt, nur ganz kurzfristig, vielleicht für einige wenige Tritte oder Sprünge richtig sein. Durch das anschließende Abspannen und wieder elastischere in die Bewegung eingehen bekommt das daraufhin fleißiger und aktiver gehende Pferd die positive Bestätigung.
Paraden
Gutes Reiten steht und fällt damit, daß der Reiter frühestmöglich lernt, daß sich richtige Paraden durch das gefühlvolle Zusammenwirken aller Hilfen auszeichnen. Insofern ist es auch nicht korrekt, im Sprachgebrauch Zügelhilfen als Paraden zu bezeichnen.
Ausdrucksweisen wie „halbe Parade am äußeren Zügel“ oder „halbe Paraden werden aus dem Handgelenk heraus gegeben“ vermitteln dem Reiter geradezu die falsche Vorstellung, Paraden seien mehr oder weniger ausschließlich Zügelhilfen.
Je mehr beim Geben von Paraden die treibenden Hilfen (Gewicht und Schenkel) im Vordergrund stehen, je weniger der Reiter dabei mit den Zügeln aktiv einwirken muß, desto besser kommen seine gefühlvollen Hilfen durch, desto höher sind seine reiterlichen Fähigkeiten einzuschätzen. (v. Neindorff: Treiben – aufnehmen – leicht werden)
Die meisten Lektionsfehler werden durch fehlerhafte Handeinwirkung verursacht; häufig mangelt es nur am rechtzeitigen Leichtwerden.
Die Bedeutung der Zügelhilfen im Zusammenwirken aller Hilfen beträgt ca. 70-80%, ihre Aktivität sollt bei einem richtig gerittenen Pferd und einem losgelassen sowie korrekt sitzenden Reiter nur ca. 20 % betragen.
Mit hingegebenem Zügel – Am langen Zügel
Diese beiden (der vier möglichen) Zügelmaße sollten nicht verwechselt oder sogar durcheinander geworfen werden:
Beim Reiten mit hingegebenem Zügelwerden die Zügel ganz am Ende, an der Schnalle angefaßt und hängen durch, sodaß keine Verbindung zum Pferdemaul mehr besteht. (Deshalb ist der Ausdruck „am hingegebenen Zügel“ auch falsch.)
Mit diesem Zügelmaß kann man zu Beginn, am Ende und auch in Zwischenpausen reiten; sinnvoll ist dies jedoch nur, wenn das Pferd auch dabei mit konvexer, runder Oberlinie, d.h. mit fallengelassenem Hals und losgelassenem Rücken schreitet.
Beim Reitenam langen Zügelwird die Zügellänge so gewählt, daß eine leichte stete Verbindung zum Pferdemaul besteht, die es möglich macht, die natürliche Nickbewegung mit der Hand zu begleiten. Das gerittene, richtig ausgebildete Pferd wird auch bei diesem Zügelmaß im Genick nachgeben, vertrauensvoll an die Hand herantreten und sich auch, vornehmlich mit Hilfe des inneren Schenkels, stellen lassen; man spricht hierbei von Genickkontrolle.
Mittel- und starker Schritt wird stets am langen Zügel geritten.
Durchstellen
Beim Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen soll sich das Pferd zunächst vertrauensvoll vorwärts-abwärts an die Hand herandehnen; der sollte dabei durch leichtes Öffnen der Hand die Zügel je nach Halsform des Pferdes ca. 15 – 20 cm herausgleiten lassen. Beim Wiederverkürzen der Zügel sollte es im Genick nachgiebig bleiben. In diesem Zusammenhang davon zu sprechen, daß sich das Pferd beim Verkürzen der Zügel „durchstellen“ lassen sollte, vermittelt nur dem Reiter die Vorstellung, mit der Hand das Pferd wieder beizäumen zu müssen, etwa indem er einmal links, einmal rechts das Gebiß durchs Maul zieht.
Schwerpunkt des Pferdes nach hinten verlagern
In unserer Reitlehre wird durchgängig das Prinzip verfolgt, daß möglichst bei allem, was wir reiterlich erreichen wollen, unser Denken und erst recht unsere Einwirkungen auf das Pferd vorwärtsgerichtet sein sollen. Deshalb ist eine solche Ausdrucksweise per se kontraproduktiv; sie vermittelt schon vom Wortlaut her eine gewisse Rückwärtstendenz. Stattdessen ist es sicherlich besser, sich folgendermaßen auszudrücken:
Der Reiter muß bestrebt sein, das Pferd zu schließen, seine Hinterbeine durch entsprechende Übungen und Lektionen vermehrt in Richtung unter den Schwerpunkt treten oder springen zu lassen. Bei jeglicher versammelnden Arbeit kann das Pferd umso leichter mit der Hinterhand heranschließen, je weniger es im Hals eng gemacht und dadurch seine Balancierstange verkürzt wird. Der sogenannte Bogen vor der Hand wird dabei nicht kürzer als der Bogen hinter der Hand. Der Reiter behält das Pferd gut vor sich (Optisch ist mindestens die Hälfte des Pferdes vor ihm).
Insgesamt ist dies aber eine Frage der Ausbildung und des Gebäudes des einzelnen Pferdes.
„Hohl”
Dieser Ausdruck wird beim Reiten in zweierlei Zusammenhang gebraucht:
Zum Einen sagt man, das Pferd macht den Rücken hohl, wenn es nicht mit losgelassenem Rücken geht, sich im Rücken nicht wohlfühlt und deshalb ihn nicht hergibt. Manchmal drückt es sogar den Rücken weg oder läßt ihn mangels entsprechender Bemuskelung und Dehnungsfähigkeit einfach durchhängen.
Zum Anderen spricht man im Zusammenhang mit der Schiefe eines Pferdes von der festen, der Zwangsseite und der sog. schwierigen, der hohlen Seite, der Seite also, auf der das Pferd sich scheinbar leichter biegt. Diese Seite als schwierige zu bezeichnen ist aber deshalb berechtigt, weil beim Stellen und Biegen zur anderen Seite es auf dieser Seite an der notwendigen Geschmeidigkeit und Dehnungsfähigkeit fehlt und das Pferd in der Regel hier nicht vertrauensvoll genug an die Hand herantritt. Besonders deutlich wird es jeweils, wenn diese Seite die äußere ist, also beim rechts hohlen Pferd auf der linken Hand. Dabei muß es sich vor allem auf der rechten Seite besser dehnen, an den rechten Zügel sicherer herantreten und der nachgebenden rechten Hand folgen.
In beiden Fällen bezieht sich also der Ausdruck hohl auf etwas Negatives. Deshalb ist es sicherlich nicht so sinnvoll in anderem Zusammenhang mit „hohl machen“ etwas Positives zu bezeichnen, nämlich wenn es darum geht, daß das Pferd auf der festen Seiten geschmeidig werden und sich besser um den inneren Schenkel biegen soll.
Geraderichten - Geradeaus Stellen
Gemäß unserer Reitlehre geht ein Pferd dann geradegerichtet, wenn es sich sowohl auf gerader als auch auf gebogener Linie eingespurt, also hufschlagdeckend bewegt; die Krümmung seiner Körperachse entspricht dabei genau der zu reitenden Hufschlaglinie, also z.B. auch in der Ecke und in einer Volte.
Wenn ein Pferd z.B. nach einer Volte wieder auf gerader Linie weiter gehen soll, kann es geradeaus gestelltwerden; dies ist die fachlich korrekte Ausdrucksweise.
Manchmal wird stattdessen von einem Geradeaus richten gesprochen. Aus Gründen der fachlichen Richtigkeit und der Eindeutigkeit sollte dies vermieden werden.
Ein geradegerichtetes Pferd kann links, rechts oder geradeaus gestellt sein.
Zur Erklärung noch ein anderes Beispiel:
Beim Reiten zweier halber Volten (10 m) rechts und links der Mittellinie, einer Übung, die in einigen aktuellen Aufgaben vorkommt, bewegt sich das korrekt gehende Pferd durchgängig links oder rechts gestellt, aber geradegerichtet und wird beim Handwechsel auf der Mittellinie über ca. eine Pferdelänge geradeaus umgestellt.
Ein korrekt ausgebildetes älteres Pferd kann, z.B. beim Reiten zweier Acht- oder Sechs-Meter-Volten bei X nach rechts und links, unmittelbar von einer Wendung geschmeidig in die andere gestellt und gebogen werden, also ohne eine Pferdelänge im Geradeaus dazwischen.
Laufen
Der Begriff „laufen” ist im Zusammenhang mit den Bewegungen eines Reitpferdes negativ belegt: Wenn man von einem Pferd sagt, es laufe im Trab, dann meint man damit ein mehr oder weniger eiliges Dahinlaufen in kurzen Tritten.
Wenn ein Reiter angeben will, wie weit sein Pferd ausgebildet ist, sollte er z.B. sagen, „er geht bis Kl. L“ oder „es wurde bisher bis Kl. L gestartet“.
Hals fallen lassen
Wenn ein Pferd aus der Schulter heraus den Hals fallen läßt, dann öffnet sich die S-förmig gebogene Halswirbelsäule nach vorwärts abwärts. Über die Nackenplatte, das Nacken-Rückenband und die obere Halsmuskulatur entsteht Zug an den Dornfortsätzen im Bereich des Widerristes, sodaß der Rücken hergegeben und etwas angehoben wird.
Die Bereitschaft eines Pferdes, in jeder Phase einer Trainingseinheit den Hals fallen zu lassen und Dehnungshaltung einzunehmen, ist eines der wichtigsten Kriterien richtiger Ausbildung – man spricht von Dehnungsbereitschaft.
Das Pferd hat konsequent die Erfahrung gemacht, daß es sich in Dehnungshaltung entspannen und erholen kann, daß es ihm aber auch in dieser Position sehr leicht fällt den Reiter zu tragen.
Vorherrschende Trense
Oft sieht man Trense und Kandare gleich stark anstehen. Eine harte Handeinwirkung und Schwierigkeiten beim Stellen und Biegen sind die Folge. Beide Kandarenzügel sollen etwas weniger anstehen, besonders der jeweils äußere. Zum Nachfassen soll der Reiter beide Hände benutzen. Nur eine unverkrampft geschlossene Hand gewährleistet das sichere Zügelmaß.
Leserbrief an Herrn Tönjes
Chefredakteur des St. Georg betreffs des St. Georg Spezials „Richtig Reiten Reicht, Heft Nr. 11a vom Oktober 2021
Sehr geehrter Herr Tönjes,
Sie und Ihr Team haben sich immer wieder für pferdegerechtes, gutes Reiten positioniert – das finde ich auch sehr anerkennenswert. Das ist sicherlich auch Ihre Intention beim Heft 11a 2021! Mir wurde dieses Heft 11a gar nicht zugesandt. Ich wurde erst von fachkundigen Freunden darauf aufmerksam gemacht und aufgefordert, es mir unbedingt kritisch anzuschauen.
Ich habe es mir dann am vergangenen Sonntag erst gekauft und mich in den letzten Tagen mit einigen wirklich fachkundigen Menschen darüber ausgetauscht; deshalb komme ich auch erst jetzt dazu, Ihnen kurz zu schreiben:
Ohne mich in Einzelheiten verlieren zu wollen, fühle ich mich verpflichtet, vor allem Herrn Stecken zu liebe, meiner Verwunderung, ja Betroffenheit über diese Ausgabe Ausdruck zu verleihen. Mit Paul Stecken war ich bis zu seinem Tode sehr eng verbunden und wir tauschten uns sehr regelmäßig, natürlich auch über hippologische Themen aus. Besonders imponiert hat mir an ihm immer, wie er in seinen Aussagen in all den Jahren, auf die großartige Entwicklung in unserer Warmblutzucht einging; dementsprechend paßte er manche reiterlichen, von alters her überbrachten Empfehlungen und Anweisungen ganz differenziert an diese modernen „großartigen, geborenen Reitpferde”, wie er sie bezeichnete, an! Er war ein ganz wundervoller, sehr präzise formulierender Gesprächspartner, egal worum es ging!
Wenn ich von Verwunderung und Betroffenheit spreche, dann betrifft das die Anmaßung, mit der man Ihn in diesem Heft zu vereinnahmen versucht und ihn benutzt; ich bin ganz sicher, wenn ihm das Heft vorläge, wäre er, um es diplomatisch zu formulieren, „not very amused“.
Es soll sicherlich auch in diesem St. Georg Spezial gutes Reiten herausgestellt werden, leider wurden aber großenteils Bilder verwendet, die fachlich gesehen mit Mängeln, ja sogar Fehlern behaftet sind. Auch viele Texte sind, um wieder Paul Steckens Sprache zu benutzen, „wenig wertvoll“, teilweise auch irreführend.
Falls gewünscht, bin ich natürlich gerne bereit, gegebenenfalls einzelne Punkte, besonders auch Photos, die ich für fehlerhaft bis kontraproduktiv halte, in einem Gespräch aufzuzeigen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Putz


